Harnblasenkarzinom

Das Harnblasenkarzinom ist nach dem Prostatakrebs der zweithäufigste Tumor im Urogenitalbereich. Er macht rund drei Prozent aller bösartigen Erkrankungen aus. Wenn die Diagnose gestellt wird, sind die Patienten durchschnittlich 65 Jahre alt. Männer trifft diese Erkrankung fast dreimal so häufig wie Frauen. Als mögliche Ursache diskutiert man die Harnabflussstörung, die bei einer Prostatavergrößerung auftritt.

Als oberflächliche Blasentumore werden Karzinome bezeichnet, die sich auf die innere Schleimhaut der Blasenwand beschränken und noch nicht tiefer in die Blasenwand eingedrungen sind. Sie wachsen fingerförmig in die Blase oder breiten sich oberflächlich aus. Ist der Blasentumor auch in das Muskelgewebe eingedrungen, spricht man vom muskelinfiltrierenden Karzinom.

Symptome

Das häufigste Symptom des Blasenkarzinoms ist Blut im Urin (Hämaturie). Patienten entdecken dies selbst (Makrohämaturie) oder es werden bei einer Urinuntersuchung unter dem Mikroskop zufällig rote Blutkörperchen festgestellt (Mikrohämaturie). Schmerzen gehen damit in der Regel nicht einher. Wichtig: Jedes schmerzlose Auftreten von Blut im Urin ist tumorverdächtig, solange keine andere Ursache dafür gefunden werden kann.

Eine spezielle Form des Blasentumors, das so genannte Carcinoma in situ, aber auch fortgeschrittene Tumoren der Blase, können gelegentlich Beschwerden verursachen: Blasenschmerzen, häufiger Harndrang, Schmerzen beim und nach dem Wasserlassen - Blut im Urin ist jedoch fast immer mit dabei. In diesem Fall ist es manchmal schwierig, den Tumor zu diagnostizieren, weil die Symptome denen einer harmlosen Blasenentzündung gleichen.

Gehen die Beschwerden auch nach einer Behandlung der Entzündung nicht zurück, sollte der Arzt bösartige Veränderungen der Blase durch weitere Untersuchungen bis hin zur Probenentnahme ausschließen.

Ursachen

Die Ursachen von Blasenkrebs können unterschiedlich sein. Neben genetischen Störungen kommen vor allem krebserregende Stoffe (Karzinogene) aus der Umwelt als Verursacher in Betracht. Bereits 1895 beobachtete man, dass Arbeiter nach dem Umgang mit Anilinfarben Harnblasentumore bekamen. Weitere industrielle Krebsauslöser sind verschiedene Benzidine, chlorierte aliphatische Kohlenwasserstoffe sowie verschiedene Aldehyde, die in der Farb-, Gummi- und Textilindustrie verwendet werden.

Durch berufsbedingte Einflüsse werden schätzungsweise rund 20 Prozent aller Blasentumore verursacht. Bemerkenswert: In manchen Fällen dauert es 30 bis 50 Jahre bis nach dem Kontakt mit dem Karzinogen der Krebs auftritt (Latenzzeit). Tatsache aber ist: Das Risiko von Rauchern, einen Blasentumor zu bekommen, ist viermal höher als das von Nichtrauchern.

Diagnostik

Bei Verdacht auf einen Blasentumor nimmt der Arzt eine Blasenspiegelung (Zytoskopie) vor, um den Befund zu sichern. Da bei einem Blasenkarzinom in fünf Prozent der Fälle gleichzeitig auch Tumore im oberen Harntrakt, in der Niere und im Harnleiter auftreten, gehört das Röntgen mit Kontrastmittel der ableitenden Harnwege mit zur Untersuchung. Alternativ kann hier auch eine Kernspintomographie durchgeführt werden.

Die alleinige Blasenspiegelung kann mit oder ohne Narkose erfolgen. Zur pathologischen Diagnosesicherung und gleichzeitigen Therapie erfolgt dann die Ausschneidung des Tumors durch die Harnröhre (transurethrale Resektion (TURB)) in Narkose. Dabei werden alle sichtbaren Tumore mit der Elektroschlinge entfernt und anschließend pathologisch untersucht. Erst nach dieser Untersuchung kann sicher zwischen einem oberflächlichen und einem muskelinvasivem Karzinom unterschieden werden.

Behandlung

Die Behandlung ist im ersten Schritt nicht von der Diagnostik zu trennen, da bei der Blasenuntersuchung gleich gehandelt werden kann: Mit einer elektrischen Schlinge werden die Tumore durch die Harnröhre „eingefangen“ und abgetragen.

Mit Blick auf das Tumorstadium entscheiden die Ärzte dann über weitere Behandlungsformen - vor allem gestützt auf die mikroskopische Untersuchung (Histologie) des Tumorgewebes. Dabei wird neben der Eindringtiefe (T-Stadium) die Aggressivität des Karzinoms eingeschätzt: G1= gut differenziert, G2 = mittelgradig differenziert und G3 = entdifferenziert (hoch aggressiv).

Je nach Eindringtiefe und Stadium der Tumoren reichen die folgenden Behandlungsschritte von regelmäßigen Kontrollen mit Blasenspiegelung und Urinuntersuchung, über die Nachresektion mit prophylaktischer Blasenspültherapie (ähnlich Chemotherapie) und Langzeit-Immuntherapie bis hin zur radikalen Operation mit Entfernung der Blase. Ihr behandelnder Arzt wird Sie über die Möglichkeiten genauestens informieren und beraten.

Eine Alternative zur Operation bei fortgeschrittenen Stadien ist eine kombinierte Bestrahlungs- und Chemotherapie, wobei die Blase erhalten wird. Sind Tumorabsiedlungen (Metastasen) vor oder aber auch nach der Operation nachweisbar, ist eine Chemotherapie notwendig. Dabei werden verschiedene Chemotherapeutika kombiniert verabreicht.